Bosch lud in der letzten Woche zum Sneak Preview 2018 in die Zentrale nach Reutlingen ein. Die ganze E-Bike Pressewelt war anwesend und ich mittendrin.

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Nach Reutlingen aufgemacht habe ich mich schon einen Tag früher. Wenn ich schon mal dort bin, kann ich auch bei der Gelegenheit die baden-württembergische 2-Meter-Regel ausprobieren und sehen, wie es sich anfühlt, wenn man sich illegal auf Singletrails bewegt. Ich muss sagen: gar nicht mal so schlecht. Außer dass mich Komoot lieber die Trails hoch anstelle runter gejagt hat, habe ich einige sehr schöne Abschnitte unter die Gummis nehmen können und wurde bei über 30 Grad und super Sonnenwetter nicht enttäuscht.

Eine Tour am Vorabend zur Einstimmung

Eine Tour am Vorabend zur Einstimmung

Nächster Morgen 10 Uhr – Die Begrüßung war herzlich und nach dem obligatorischen Papierkram wie Haftungsausschluss für die Probefahrten und „Modelabkommen“ – weil man ja schließlich auch vom Bosch-Fotografen abgelichtet werden könnte – gab es bereits die ersten Kleinigkeiten und Kaffee zum Frühstück.

Sneak Preview im Socialnetwork

Bevor die Presseschar in den Raum gelassen wurde habe ich hinterfragt, ob es ein übliches Embargo für die Veröffentlichung der Neuvorstellungen geben wird. Nein, ihr seid hier und bekommt es vorgestellt, also kann es auch raus an die Öffentlichkeit. Also gut, Livestreams a lá Apple und Co gibt es hier zwar noch nicht, aber Dank Smartphone und Socialmedia waren die ersten Bilder schnell geknipst und in die Welt gepostet. Rico von den eMTB-News meinte zu mir nur knapp ‚aber nicht bei Facebook posten‘ als ich die ersten Bilder geschossen und hochgeladen hatte. ‚Doch doch, ist erlaubt, habe ich extra abgeklärt…‘ und schwubbs war auch seine Handykamera am Start. Auf einmal ploppten immer mehr Posts der einzelnen Redakteure in Facebook auf.

Mit dem Dienstrad zur Premiere

Als erstes durfte der Oberbürgermeister Boris Palmer über das Verkehrswegekonzept seiner Universitätsstadt Tübingen und seine Erfahrungen mit dem S-Pedelec vortragen. Er ist ein großer Verfechter der Zweiradbewegung und setzt sich aktiv für die Förderung der Zweiradmobilität in Tübingen ein. Nicht umsonst parkte sein E-Dienstrad der Marke Haibike vor der Bosch Firmenzentrale.

Claus Fleischer stellt die neuen Produkte vor

Claus Fleischer stellt die neuen Produkte vor

Nach Palmers kurzem und kurzweiligen Vortrag übernahm Claus Fleischer, Geschäftsführer von Bosch eBike Systems, das Wort und stellte nach und nach die Neuigkeiten im Detail vor. Nachdem alle News vom neuen Aktiv Line Motor über die Powertubes – wie die neuen integrierbaren Akkus heißen, den Neuerungen in Sachen Nyon und dem eMTB-Modus in die Welt getragen wurden, wollte sich das Fachpublikum schon zum zweiten Teil im Aussenbereich begeben, als Claus Fleischer noch eine Weltneuheit ankündigte. Der spontane Zwischenruf ‚One more thing‘ eines Pressekollegen ließ doch ein wenig Appleflair aufkommen. Im Hintergrund wurde ein weiteres Rad hereingeschoben und Claus Fleischer präsentierte stolz das erste serienreife ABS für E-Bikes der Weltöffentlichkeit. Mit noch so einer Hammerneuigkeit hatte im Raum keiner gerechnet. thumbsup

Nach der Präsentation ging es raus auf die Aussenfläche. Hier traf mich erst mal der Hammer. Nicht in Form von schönen Bikes, sondern in Form von Hitze und stehender Luft. Nach dem wohltemperierten Raum im Gebäude war ein Schattenplatz im Bosch-Liegestuhl heiß begehrt. Aber erst mal mussten die diversen Räder begutachtet, fotografiert und getestet werden.

E-Bike-ABS zum testen

Außerdem konnten sich die Bikespezialisten von der Leistungsfähigkeit der neuen ABS-Bremse überzeugen, die im übrigen mit Magura zusammen entwickelt wurde. Eine echte Evolution, wenn man sich auf die neue Technik einlässt und das Vertrauen in das System gewinnt. In einem kurzen Video, in dem Trial-Vizeweltmeister und Bosch-Ambassador Stefan Schlie das System vorführt, kannst Du Dir ein eigenes Bild vom Bosch-ABS machen.

Das E-Bike-ABS wird ab Herbst in Verleih-Flotten mit ausgewählten Partnern getestet, bevor es dann im Herbst 2018 der Öffentlichkeit zur Verfügung steht und man einzelne Räder mit ABS kaufen kann. Nach ein paar Testrunden auf dem abgesteckten Parcours mit Schotter, Asphalt und gemischten Abschnitten war ich überzeugt, dass ein Fahrrad-ABS durchaus Sinn macht und einen Sicherheitsgewinn darstellt. Erst zögerlich wurde die Vorderradbremse benutzt, bis Vertrauen in das System aufgebaut war. Im ersten Moment fühlt es sich an, als wäre die Bremse nicht richtig entlüftet. Etwas schwammig, weil bei längerem Betätigen des Bremshebels dieser immer weiter zum Griff wandert. Da das System keine Rückführung der Bremsflüssigkeit hat, wird der Weg, den der Bremshebel zurückgelegt, immer länger. Dies ändert sich aber abrupt beim Öffnen der Bremse und der volle Druckpunkt steht wieder zur Verfügung. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist dies aber nicht mehr schlimm. Mit steigender Geschwindigkeit stieg auch das Vertrauen. Mit ca. 35 km/h bin ich mit einer Vollbremsung nur mit der Vorderradbremse und das auf Schotter nach relativ kurzem Weg zum Stehen gekommen, ohne dass ich einmal das Gefühl hatte, dass mir das Vorderrad ausbricht. Der zusätzliche Einsatz der Hinterradbremse verringerte den Bremsweg auf knapp die Hälfte. Beachtlich.

Ein Mittagssnack und nette Gespräche rund um die neuen Produkte rundeten den zweiten Teil des Tages ab. Nicht zu vergessen das leckere Eis oder der Milchshake vom italienischen Eiswagen.

Der neue Powertube in Bildern

Am Nachmittag waren noch zwei Touren mit City- und Trecking-Rädern geplant, die mit den neuen Active Line (40 NM) und Active Line Plus (50 NM) Motoren und unter anderem den eShift-Schaltungen ausgerüstet waren. Die bereitgestellten eMTBs waren mit der neusten Software und damit mit dem neuen eMTB-Modus versehen. Die „Fotomodelle“ mit den neuen integrierten Powertubes durften leider nicht auf den Trail.

Heißes Wetter und kühler Wald

Auf den rund 15 Kilometern durchs Reutlinger Land konnten eigene Erfahrungen mit den unterschiedlichen Systemen gesammelt werden. Die Räder wurden fleißig unter den Redakteuren getauscht. Die eMTBs für die eMTB-Runde, die von Stefan Schlie angeführt wurde, waren schnell vergeben. Also absolvierte ich meine erste Tour mit einem Cityrad, das mit dem neuen Active Line Motor und einer Shimano DI2 Alfine ausgestattet war. Die Schaltung ist jetzt voll in die Bosch E-Bike-Umgebung integriert – nennt sich eShift – und somit ist ein automatischer Schaltvorgang abhängig von der Kadenz und Geschwindigkeit durch die neue Software auf dem Intuvia oder Nyon möglich. An meinem Testrad mit einer Vorabversion der Intuvia-Software war diese Automatik leider noch nicht freigeschaltet. So blieb es mir nur zu testen, wie es sich manuell elektrisch schalten lässt. Was mich leider nicht begeisterte war die Tatsache, dass der Sprung vom Zweiten in den Ersten Gang zu groß war. Am Berg zu schalten – was nur unter einem kurzen Aussetzen des Tritts möglich war – war fast unfahrbar. Nur im ersten Gang ging es spielend den Berg hoch. In den oberen Gängen bin ich am Berg verhungert, was mich sehr verwunderte. Aber bis zur Serienreife wird dies bestimmt beseitigt sein. Das Positive der neuen Active Line Motoren ist, dass diese nur minimal zu hören sind und keinen merklichen Widerstand haben. Man musste sich schon genau darauf konzentrieren, um den Motor zu hören. Auch ohne Unterstützung ließ sich das Rad einfach fahren. Auf die bisherige 2,5-fache Übersetzung wird bei der dritten Generation verzichtet und somit sind wieder große Kettenblätter möglich. Die neue Motorengeneration ist 20% kleiner und rund 25% leichter als ein Motor der zweiten Generation.

Zurück am Bosch-Hauptquartier konnten die überhitzten Körper mit leckerem Eis abgekühlt werden. Spontan wurde noch eine zweite eMTB-Runde mit Stefan Schlie angeboten. Somit konnten sich auch diejenigen Teilnehmer vom neuen eMTB-Modus überzeugen, die zuvor kein eMTB abbekommen hatten. Eine Bikerunde mit Stefan Schlie? Klar… Also ging es noch mal in Richtung kühlem Wald. Durch ein paar Fahrtipps vom Meister gesegnet konnte der eMTB-Modus auf kurzen Uphill-Passagen selbst erfahren werden. Es macht unglaublich viel Spaß, das neue Potential des CX-Motors zu nutzen, um steile Streckenabschnitte bergauf zu fliegen oder langsam im Trial-Stil hoch zu jonglieren, ohne über Tour-, Sport- oder Turbomodus nachdenken zu müssen. Klar, dass dies meinen alten Performance-Motor alt ausschauen lässt und die Lust nach mehr dadurch gewachsen ist.

Alle Infos zu den Neuheiten findest Du direkt auf der Homepage von Bosch eBike Systems