Bereits im vergangenen Jahr wurde ich vom Veranstalter Plan B zur Shimano E-Mountainbike Experience eingeladen. Die Freude darüber war riesig und ich konnte es kaum erwarten, dass es los ging. Ich hatte gerade meine Testbikes gebucht, da bekam ich von meinem Arzt mehrere Wochen Sportverbot erteilt und musste kurz vor dem Start die Reise absagen.

Die erste Auflage der Shimano E-Mountainbike Experience war ohne mich gelaufen und ich habe meinen Frust mit einem schönen Schwedenurlaub neutralisiert, als von Plan B die erneute Zusage kam, dass ich bei der zweiten Auflage der Tour in 2018 teilnehmen dürfte. Wie geil ist das denn? Die Vorfreude stieg wieder und diesmal sollte – nein, muss es klappen. Zumal die Tour genau in die Woche meines Geburtstags fällt. Doppelte Vorfreude ist angesagt.

Der Mai kann kommen

Der Mai kann dann in großen Schritten auf mich zu. Eine Reiseinfo nach der anderen trudelte ins Postfach und schließlich war es soweit, dass ich meine Wunschbikes buchen konnte. Gesagt – getan und keine zwei Minuten später trudelten die Bestätigungsmails ein. Alles gut gegangen, alle Wunschbikes sind bestätigt. Jetzt kann es losgehen.

Da wir im Anschluss an die Experience unseren Sommerurlaub anhängen wollten, haben wir uns schon ein paar Tage früher in Richtung Naturns aufgemacht. Unser Basislager schlugen wir auf dem sehr schönen Waldcampingplatz am Rande von Naturns auf. Während ich mein Adrenalin bei der Tour auf Niveau hielt, genoss meine Frau ein paar Tage die Ruhe in und um Naturns.

Montag – Die Tour vor der Tour

Am Montag vor der Tour startete ich zu einer kleinen Runde in Richtung Naturnser Alm. Ich wollte noch einmal austesten, wie sich mein viereinhalb Jahre altes Haibike mit dem alten Bosch Performance Line Motor und 400 Wh-Akku auf den Südtiroler Trails anfühlt, um einen direkten Vergleich zu haben, wenn ich an den kommenden Tagen die neusten E-Bikes mit den unterschiedlichsten Motoren testen darf. Ich fuhr einfach drauf los. Die Beschilderung, die ich in der Nähe des Campingplatzes fand, deutete in Richtung Berge und nannte sich „Naturnser Alm Uphill“. Also los…

Weiter und weiter strampelte ich – unterstützt vom Tour-Modus meines Bikes – die Asphaltstraße nach oben. Höhenmeter um Höhenmeter kamen hinzu, bis ich irgendwann ein weiteres Schild mit der Aufschrift „Ötzitrail“ sah. Das klingt spannend, dachte ich mir und bog in diese Richtung ab. Irgendwann erreichte ich den Einstieg und da hatte ich bereits über 1.100 Höhenmeter in den Beinen und zur Freude nur einen Balken vom Akku weg. Eine Umstellung auf eine höhere Trittfrequenz bergauf machte sich scheinbar bezahlt. Sonst habe ich immer mit Kraft hoch getreten und diesmal war es eher die Kadenz, die mich nach oben brachte. Um sicher zu gehen, wo ich rauskomme, checkte ich die Strecke und den Trailverlauf immer wieder auf Komoot. Ötzitrail und im Anschluss Ötzi-Flowtrail und ich bin wieder am Campingplatz. So war der Plan. Auf dem Schild am Trail-Einstieg stand noch S3. Bin ich jemals schon wissentlich S3-Trails gefahren? Bestimmt, aber gelesen hatte ich es bisher auf keinem Schild. Na mal schauen, wie sich das anfühlt. Zur Not muss ich ein paar Passagen schieben dachte ich mir – bis auf zwei hakelige Stellen gleich am Anfang war es aber gar nicht so schlimm. Das ist also S3. Gut – dann brauche ich mir für die nächsten Tage keine Gedanken zu machen. Passt. Wohlbehalten und mit dicken Beinen und aufgepumpten Armen kam ich wieder am Campingplatz an.

Dienstag – Prolog und ein wenig Enttäuschung

Ok, unter einem Prologtag stellt man sich irgendwie etwas anderes vor. Im Vorfeld konnte man sich für eine Uhrzeit entscheiden, um den Prolog zu fahren. Ich wählte 13 Uhr, um am Vormittag noch genügend Zeit zu haben, mich auf der Expo umzusehen, das erste Testrad in Empfang zu nehmen und die ersten Eindrücke aufzuschnappen.

So kurz nach 10 Uhr bin ich auf dem Rathausplatz von Naturns angekommen. Mein Fußmarsch hielt sich mit 850 Metern vom Campingplatz bis ins Zentrum in Grenzen und wegen des Regens am frühen Vormittag war der Kaffeegenuss am Frühstückstisch doch etwas länger gewesen. Als Erstes zur Anmeldung am Plan-B-Zelt. Die Formalitäten waren schnell und entspannt erledigt – noch war nicht viel los – und ich durfte meinen Tour-Rucksack von Shimano mit den Goodies der Radpartner in Empfang nehmen. Ein schönes Teil und größer wie angegeben und sogar inklusive Trinkblase. Toll…

Dann fragte ich, wie das mit dem Gepäck und dem Shuttle ins Hotel vonstatten geht. Ich hatte meinen Koffer extra noch auf dem Campingplatz gelassen, bevor ich das Ding hin und her zerre. Oha… am ersten Tag würde kein Shuttle und Gepäcktransport vom Veranstalter angeboten hieß es. Man könne sich ja mit anderen Teilnehmern ein Sammeltaxi organisieren. Aber wer ist noch bei mir im Hotel und wie soll ich die Leute erkennen? Andere Teilnehmer sind mit dem eigenen Auto angereist und da war es ja kein Thema hin und her zu fahren. Aber so ganz ohne Auto und das Hotel 3,5 Kilometer bergauf entfernt wollte ich dann doch nicht. Kurze Rückmeldung ans Hotel und die Sache war für mich erledigt. Ich beschloss, das erste Hotel sausen zu lassen und noch eine Nacht bei meiner Frau im Womo zu verbringen. Der Weg zum Platz zurück war ja kurz. Toller Start… Die Bedenken zum Thema Shuttle verfestigten sich…

Mein erstes Rad für diesen Prologtag war ein Bulls Six50 EVO AM4 mit Bosch CX-Motor. Also noch schnell zum Bulls-Stand, um das Rad auf meine Bedürfnisse anpassen zu lassen und los gehts. OK, dann doch nicht so schnell. Der Akku war noch nicht voll geladen. Naja, dann schlendere ich halt über die Expo und schau mal, was es noch so zu sehen gibt. Es hatten zwar alle Radpartner ihre Pavillons, Servicestationen und Räder aufgebaut, aber irgendwie kam das Flair einer Expo nicht auf. Schnell waren alle Stände abgeklappert, das Tour-Shirt am Shimano-Stand abgeholt und ich stand Rad- und lustlos in der Gegend rum. Bekannte Gesichter waren auch nicht auszumachen und selbst eine Versorgungsstation konnte ich nicht entdecken. Und wo ist denn noch gleich diese vielgepriesene Shimano-Lounge geblieben? Mich verschlug es erst mal in die nahe gelegene Eisdiele, wo bei einem leckeren Eis am Morgen erst mal der Goodie-Rucksack auseinander genommen wurde. Nächste Enttäuschung folgte: Das Tour-Shirt war nicht wie im vergangenen Jahr ein extra für die Tour angefertigtes Shirt mit Tour-Logo usw., sondern nur ein “Werbe”-Shirt von Shimano. Es soll nicht undankbar klingen, aber trotzdem Schade um das verpasste Souvenier.

Jetzt war es soweit und ich durfte meinen Bullen abholen und schon mal eine Vorabrunde drehen. Mit dem GPS-Radler ging es erstmal in Richtung Trail, den ich vom Montag kannte, um gemeinsam ein paar erste Fotos zu machen. Es zeigte sich, dass dies auch der Weg der ersten Prolog-Gruppen war und wir konnten erste Eindrücke sammeln.

Um 13 Uhr war es dann soweit. Mit ein paar Guides ging es erneut zum Trail. Dort war ein kleiner Technikparcour aufgebaut. Die Guides wollten abchecken, wie gut man fahren kann und ob die zuvor gewählte Gruppe die passende wäre. Ich bin schon echt viel gefahren, aber welche Probleme ein Holzbalken und ein schmales Brett bereiten, wenn 40 und noch mehr Augen auf einen gerichtet sind, lernte ich in diesem Moment. Na, mit “meinem” Rad hätte ich das bestimmt besser gemeistert murmelte ich mir vor. Zum Glück lief es auf dem Trail dann besser und wie gewohnt fluffig. Meine Einschätzung, die mittlere Trailgruppe gewählt zu haben, teilten auch die Guides. Der Nachmittag verlief dann entspannt bei einem weiteren Kaffee am Campingplatz, bis ich das Radl wieder beim Bulls-Team abgeben musste.

Am Abend war dann noch die erste Abendveranstaltung angesetzt. Leider fand diese aufgrund des unberechenbaren Wetters in der Stadthalle anstelle Openair auf dem Rathausplatz statt. Mit einem Bauch voller südtiroler Spezialitäten und neuen Infos zu Ablauf und Streckenführung der ersten Etappe klang der Abend mit netten Gesprächen und dem Kennenlernen ein paar anderer Teilnehmer gemütlich aus.

Mein Tagesfazit: Durchwachsen mit der Tendenz zur Steigerung. Das Bulls fuhr sich dank des soliden Bosch CX-Motors sehr angenehm. Leider waren die Trails nicht so lang, dass ich das Bulls mehr “erfahren” konnte. Vielleicht war meine Erwartungshaltung an den Veranstalter zum Thema Hotel und Gepäck etwas hoch gesteckt. Eine Info im Vorfeld bezüglich der Anreise zum Hotel für Teilnehmer ohne Auto hätte die Situation etwas gemildert und man hätte sich darauf einstellen können. Ich hatte Glück – andere mussten sehen, wie sie es arrangieren.

Mittwoch – Erste Etappe und Massenpanne

Ab 8:00 Uhr morgens konnte ich mein Tagesbike abholen. Für diese erste Etappe wählte ich ein Husqvarna Mountain Cross MC7 mit Shimano-Motor. Ich durfte das Husky bereits ganz kurz in Schweden bei einem Event hin und her fahren und freute mich darauf, das MC7 auf richtigen Trails auszuprobieren. Hoffentlich wird es kein Kettensägen-Massaker.

Die erste Etappe führte uns die unendliche Asphaltstraße – deren Bekanntschaft ich schon am Montag machen durfte – in Richtung “Stuanbruch Trail”, über Meran nach Sarnthein. Mit rund 57 Kilometern und den ersten 1.600 Höhenmetern die längste Etappe der Tour. Hoffentlich zeigt sich der Shimano-Akku genauso spendabel wie mein eigener.

Die erste Etappe startete auf endlosen Asphaltstreifen.

Die erste Etappe startete auf endlosen Asphaltstreifen.

Nachdem die riesige Trailgruppe in drei kleinere Häppchen aufgeteilt wurde, folgte kurz darauf der erste Beweis des Fahrkönnens auf einem Uphill-Trail. Alle reihten sich brav ein, um das erste Teilstück mit gebotenem Abstand zum Vordermann unter die Stollen zu nehmen. Alle vor mir fuhren an einem herausstehenden Steinbrocken rechts vorbei, kamen ins straucheln und mussten den Rest hochschieben. Nix da, die Blöße gibst Du Dir nicht schoss mir durch den Kopf und ich wählte die linke Spur am Stein vorbei und zirkelte das Husqvarna ohne abzusteigen nach oben. Yes… Kaum über der Kuppe vernahm ich ein leises Zischen. Ohh nee, oder? Gleich mal einen Platten eingefangen. Aber wie? Da war doch nix Böses, kein Stein, kein harter Treffer.

Ich hatte das Rad kaum auf den Kopf gedreht, um den Platten zu flicken, kamen weitere Teilnehmer, die meiner Spur folgten, mit einem Zischen oben an. Zwei, drei, vier und der Fünfte mussten dieselbe Erfahrung machen wie ich. Wie sich später herausstellte, waren es mehrere in eine Wurzel eingeschlagene und geköpfte Nägel, die für den Massenplatten verantwortlich waren. Sabotage… und zum Glück ist nichts schlimmeres passiert. Nicht auszudenken, wenn da einer von oben rein gefahren und gestürzt wäre.

Die Mittagspause an den Thermen in Meran war wieder lecker. Der eigene Akku und die der Bikes wurden aufgeladen und gestärkt ging es in brütender Mittagshitze weiter bergauf zur Talstation der Meran 2000-Seilbahn. Von oben ging es dann auf schönen ausgewaschenen Trails in Richtung Sarnthein. Leider wurden zum Ende hin zu viele Höhenmeter auf Asphalt und Forststraßen verbraten, was meine Bremse mit Gestank und Gequietsche quittierte. Am Zielort angekommen erwartete uns endlich die Shimano-Lounge mit einem ersten gekühlten Drink und viele viele Sarntheiner Leckereien. Diesmal klappte es auch mit dem Shuttle zum Hotel und wieder zurück zur Abendveranstaltung, wo weitere Spezialitäten und die Infos zum nächsten Tag auf die Teilnehmer warteten.

Mein Tagesfazit: Bis auf den Platten eine tolle erste Etappe. In der Gruppe sind 57 Kilometer alpiner Trailspaß viel leichter zu ertragen wie vermutet. Einen großen Teil machte auch das Husqvarna mit Shimano-Motor aus, das sich immer schön über die Trails jagen ließ. Bis auf den klappernden Akku nach der Wechselpause in Meran ein tolles Rad.

Donnerstag – Zweite Etappe und Geburtstag

Heute ist mein Tag, mein Geburtstag! Also habe ich mir für diesen Tag ein ganz besonderes Bike im voraus gebucht und zum Glück auch erhalten. Als ich das erste mal etwas über das Ghost Hybride Slamr SX7.7+ LC gelesen hatte stand sofort fest, dass dieses Bike auf der Wunschliste ganz nach oben rutscht. Leider ist der hohe Preis etwas anderer Meinung. Umso mehr habe ich mich gefreut, mit dem Rad an meinem Ehrentag über die Trails zu bügeln. Das Ghost ist ebenso wie das Husqvarna mit einem Shimano-Motor ausgestattet, jedoch fehlt dem Spitzenmodell die heißgeliebte elektronische Di2-Schaltung.

Bevor es auf die zweite Etappe von Sarnthein nach Brixen ging stand das Bikesetup auf dem Programm. Da es am Vortag schon spät war und der Shuttle zum Hotel bereit stand, habe ich das Rad nicht vorab fertig machen lassen. Also war ich froh, dass wir früh vom Hotel abgeholt wurden. Das Slammer ist mit einem Stahlfeder-Dämpfer ausgestattet. Dieser musste gegen die für meine Gewichtsklasse ausgelegte Version ausgetauscht werden. Zwei Experten von Ghost haben sich um mein Radsetting gekümmert. Perfekte Arbeit für ein perfektes Bike.

Ghost am Abgrund. Das Foto war schon ein gewagtes Spiel

Ghost am Abgrund. Das Foto war schon ein gewagtes Spiel

Die Sonne strahlte mit mir um die Wette. Aber bevor es auf die Trails ging, ging es erstmal mit dem Shuttle ein paar hundert Höhenmeter Richtung Himmel. Gleich zu Beginn stand wieder ein knackiger Uphill-Trail auf dem Plan. Dieser konnte aber gut gemeistert werden und zeigte, welche Power im Shimano-Motor steckt. Es ging durch grüne Elfenwälder, spaßige Schneefelder und über traumhafte Stein-Trails.  Am Latzfonser Kreuz passierten wir auf rund 2.300 Metern Höhe die neugotische Wallfahrtskirche, die inmitten der tiefgrünen Wiesen in hellem weiß mit rostrotem Dach hervorsticht und sich stolz „höchster Wallfahrtsort Europas“ nennen darf. Klar, dass hier ein Fotostop eingelegt wurde, um ein paar Bilder mit beeindruckenden Blicken auf die Dolomiten mit nach Hause nehmen zu können.

Die Etappe endete nach knapp 41 Kilometern und 1.300 Höhenmetern in Brixen auf dem Domplatz, wo wir wieder herzlich von den Zuschauern in Empfang genommen und erneut mit regionalen Köstlichkeiten versorgt wurden, bevor es ins fußläufige Hotel und unter die Dusche ging.

Janis Geburtstagsüberraschung

Janis Geburtstagsüberraschung

Da ich diesmal nicht auf den Hotel-Shuttle warten musste, machte ich mich nach der erfrischenden Dusche direkt wieder auf den Weg, um Brixen bei einer kleinen Geocache-Runde zu erkunden. Der Treffpunkt für die Abendveranstaltung lag diesmal an der zentralen Tourist-Information im Ort. Von dort aus sind wir mit dem Bus zur Talstation des Plose gefahren worden und mit der Seilbahn ging es wieder bergauf. Dem Tagesanlass entsprechend war die Abendveranstaltung eine gelungene Sache. Das Bergrestaurant war stylisch, das Essen sehr sehr lecker und eine kleine Überraschungskerze, mit der Jani von Mythos-Ebike den Nachtisch garnierte, um mir damit zum Geburtstag zu gratulieren, rundete den Abend ab. Todmüde und spät am Abend ging es zurück zum Hotel.

Mein Tagesfazit: Ein rundum gelungener Tag. Tolles Wetter und ein tolles Bike, mit dem die Trails sehr viel Spaß gemacht haben. Was wünscht man sich mehr…? Gerade die Kombination aus 29er vorne und 27,5er hinten ließ sich sehr gut und jederzeit kontrollierbar fahren. Ein tolles Abendessen mit netten Gesprächen und ein paar gefundene Cache-Dosen machten diesen Tour- und Geburtstag einzigartig.

Freitag – Dritte Etappe und langer Tag

Mein Bike des Tages, ein Centurion No Pogo E R3500 hatte ich zum Glück schon am Vortag einstellen lassen. Früh ging es mit dem Shuttle vom Domplatz in Richtung Start und irgendwie waren die heutigen Trails eher zaghaft herausfordernd gespickt und führten eher über sattgrüne Wiesen. Aber das tat dem Spaß keinen Abbruch und so ein “Erholungstag” nach dem Vortagsgeballer kann auch mal ganz angenehm sein. Da der heutige Shuttle besser organisiert war sind wir sehr früh auf der Rastnerhütte zur Mittagspause eingetroffen.

Der leckere Apfelstrudel

Der leckere Apfelstrudel

Die gereichten Hüttennudeln wurden nur durch den noch leckereren Apfelstrudel getoppt und so zog sich die Pause ein wenig in die Länge. Unsere Gruppe startete schon wieder zum zweiten Teil der Etappe, als die nächste Gruppe an der Hütte eintrudelte. Nach knappen 37 Kilometern sind wir weit vor der Zeit in Bruneck angekommen. Selbst die Shimano-Lounge und die regionalen Vesper-Anbieter hatten mit einer so frühen Rückkehr nicht gerechnet und waren noch gar nicht gerichtet. Da mein nächstes Bike auch noch nicht zur Verfügung stand, konnte ich direkt ins Hotel gefahren werden. Als ich bereits aus der Dusche kam sind die letzten beiden Gruppen am Tageshotel vorbei gekommen und kurz darauf fing es an, in Strömen zu regnen.

Es hatte gerade aufgehört zu regnen und ich beschloss, den Weg von etwa 3 Kilometern zurück nach Bruneck zu laufen. Ziel war es, auf dem Weg zur Burg Bruneck noch ein paar Geocaches einzusammeln. Aus drei Kilometern wurden fünf  und ich war gerade so an der Burg angekommen, als mich die Nachricht ereilte, dass die Abendveranstaltung aufgrund des Wetters in den Gemeindesaal verlegt wurde. Leider litt darunter die Veranstaltung. Das 3-Gänge-Menü zog sich ewig, so dass die Hauptspeise erst gegen 21:45 Uhr serviert wurde. Die Stimmung wurde auch nicht besser, als zwischendurch verkündet wurde, dass unsere letzte Etappe wegen den schlechten Wetteraussichten verkürzt werden und auch erst um 11 Uhr per Shuttle starten sollte. Es wurde heftigst am Tisch diskutiert, dass sowas ja gar nicht geht und manche Teilnehmer wollten sich für die Tour ausklinken und sich auf eigene Faust und mit eigenem Tagesprogramm auf den Weg nach Sexten begeben. Nach 37 Kilometern Radfahren, 5 Kilometer laufen und einer Kaugummiveranstaltung hatte ich keine Lust mehr, mich noch tiefer ziehen zu lassen und war froh, dass ich endlich erschöpft ins Bett fallen konnte.

Mein Tagesfazit: Das No Pogo von Centurion war mit einem Bosch-CX ausgestattet und ermöglichte mir, endlich mal ein paar Trails im eMTB-Modus zu fahren. Die harmonische Kräfteverteilung je nach eigenem Kraftaufwand ließ das Schalten der Unterstützungsstufen vergessen. Die Landschaft war satt grün und zum Glück blieb der Regen (zumindest während wir auf dem Rad saßen) aus. Der lange Abend und die kippende Stimmung schmälerten die Freude über den Tag ein wenig. Aber alles in allem war er doch recht gut und spaßig.

Samstag – Vierte und letzte Etappe

Die letzte Etappe von Bruneck nach Sexten sollte also erst um 11 Uhr mit dem Shuttle ins Pustertal starten. Der Shuttle vom Hotel zum Event-Gelände war erst um 10 Uhr angesetzt. Aber das Gepäck musste schon um 8 Uhr an der Rezeption sein. Irgendwie verkehrte Welt.

Da ich den Fußweg nach Bruneck schon vom Vortag kannte, machte ich mich mit zwei Mitstreitern per Pedex auf den Weg ins Zentrum. So blieb noch genug Zeit, das Rad des Tages abzuholen, um damit eine weitere Dosenrunde durch Bruneck zu starten und noch gemütlich ein Eis zu schlecken. Was ist eigentlich mit dem angekündigten schlechten Wetter? Hier scheint die Sonne und es ist einfach nur entspannend.

Eine Vorhänge-Schloss-Brücke in Bruneck

Eine Vorhänge-Schloss-Brücke in Bruneck

Die Organisation rund um den Bikeshuttle lief immer besser und meine Trailgruppe startete pünktlich in Richtung Ausgangspunkt. Dort sind wir gut 30 Minuten später angekommen und oben am Himmel brauten sich schon die ersten Gewitterwolken zusammen. Als ich mein Scott E-Spark 710 vom Anhänger lud war ich noch frohen Mutes. Aber das änderte sich schnell. Es fing an zu regnen. Leicht, aber beständig und es ging auf Forstwegen und leichten Trails an einem Bachlauf stetig bergauf – begleitet von Donnergrollen in den Bergen. Aber Dank meines Rainsuite von VAUDE blieb ich halbwegs trocken und warm.

Oben an der Mittagshütte erwartete uns schon das Team von Plan-B und berichtete von heftigen Regen und Hagelschauern. Von diesen sind wir zum Glück verschont geblieben. Auf der Hütte war es lauschig warm und wie wir Hessen sagen “babbisch”, aber das Essen war wieder sehr lecker und so richtig wollte keiner raus ins ungemütliche Kalt. Aber es half alles nichts, es musste ja weitergehen. Also zog unsere Karawane über satte grüne Wiesen und schöne Trails weiter in Richtung Sexten. Das flowige Teilstück entlang eines reißenden Gebirgsbachs war mein Highlight des heutigen Tages. Ein kurzer Fotostop am Drei-Zinnen-Blick entschädigte für die vorangegangenen Strapazen. Von dort aus ging es nach Sexten nur noch bergauf. Die Ladepause am Mittag war wohl zu kurz, denn mein Shimano-Akku im Scott zeigte auf den letzten Kilometern nur noch einen Balken an. Also hieß es, einen Gang hoch schalten und die Unterstützungsstufe runter. Das Tempo bergauf wurde langsamer und die Beine immer schwerer. Irgendwann war ich der Letzte, der den Berg hinauf strampelte und die Gruppe zog Stück für Stück vorweg. Am letzten Sammelpunkt kurz vor Sexten zeigte sich meine Akkuanzeige im schicken rot. Aber ab sofort geht es nur noch ein kleines Stück bergab nach Sexten. Die Ziellinie überfuhr ich mit einer tiefroten blinkenden Akkuanzeige. Geschafft… Fix und fertig und stolz, die gesamte Tour gemeistert zu haben.

Am Abend ging es mit der Seilbahn erneut hinauf, diesmal zur Helmhütte. Die Strapazen vom Tag waren bei einem leckeren Essen schnell vergessen und so konnte der letzte gute Eindruck die Woche prägen.

Mein Tagesfazit: Wir hatten echt Glück mit dem Wetter, es wurde zwar recht feucht von oben, aber die schöne Strecke mit rund 45 Kilometern und wieder knapp 1.300 Höhenmetern belohnte uns dafür. Das Scott schlug sich auf den nassen Trails wacker, auch wenn es hier und da mal rutschig wurde. In einem Interview des englischen YouTube-Channels EMBN könnt ihr Euch mein Fazit zur Etappe anschauen.

Mein Gesamtfazit zur Shimano E-Mountainbike Experience: Alles in allem hat mir die gesamte Tour sehr gut gefallen. Es war eine tolle Erfahrung, mehrere Tage hintereinander im alpinen Bereich mit dem E-Mountainbike unterwegs zu sein. Bei rund 6.000 Höhenmetern mit gut 200 Kilometern, die zum Schluss auf dem GPS angezeigt wurden, war jeder Meter mit herrlichen Blicken in die Landschaft gespickt. Meine Trail-Gruppe fuhr sehr harmonisch, die übrigen Teilnehmer waren spaßig und die Guides Wolly und Moritz haben einen Bombenjob gemacht.

Das ständige Geshuttel zu den umliegenden Hotels in den Zielorten und zu den Abendveranstaltungen nervte schon ein wenig. Es war zwar ein Rundum-Sorglos-Paket, aber man hatte sehr wenig Zeit für sich, wenn man sich nicht ausklinken und mal eine Abendveranstaltung sausen lassen würde. Hier wäre ein etwas entspannterer Zeitplan schön und es müsste nicht jeden Abend eine große Veranstaltung geben. Ich denke, ein wenig mehr Chill-Out am Ende der Tour mit einer zwanglosen Party mit Grillen und klönen würde das Ganze entzerren. Auch müssten die Hotels fußläufig sein, um hier nicht auf einen Shuttle angewiesen zu sein.

Klar auch, dass eine solche Veranstaltung mit rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel von den Veranstaltern und den Radpartnern abverlangte. Es gab aber zu keiner Minute das Gefühl, das man nicht Willkommen ist und das gesamte Team rund um Plan-B hat einen Bärendienst gemacht. Von morgens bis teilweise spät abends waren Alle immer ansprechbar und standen mit Rat und Tat zur Seite. Kompliment dafür… Auch ein Lob an die lokalen Ausrichter der Veranstaltung. In dem einen Gastort lief es besser in dem einen etwas schleppend, aber alles in allem haben auch dort die Freiwilligen ihre Region bestens präsentiert und das Südtiroler Essen war immer lecker und reichlich.

Die Gruppe hatte viel Spaß beim Fotostop

Die Gruppe hatte viel Spaß beim Fotostop an den Drei Zinnen

Ja, ich würde an einer solchen Veranstaltung wieder teilnehmen. Die Möglichkeit, verschiedene hochwertige E-Mountainbikes auf schönen Trails austesten zu dürfen, macht schon eine Menge Spaß. Die Shimano E-Mountainbike Experience ist eine Empfehlung wert. Mal sehen, vielleicht geht es im nächsten Jahr bei der dritten Auflage der Tour zu einer anderen Destination. Vielleicht nach Südfrankreich… Ich würde mich freuen.

Vielen Dank an das Team von Plan-B und an Shimano das ich an dieser Veranstaltung teilnehmen durfte.