Mein Haibike XDURO RX geht jetzt in die 6. Saison. Der alte Bosch Performance Line Motor ist zwar erst knapp 8.000 Kilometer gelaufen und im Vergleich zu anderen E-Bikern, die so viele Kilometer innerhalb von 12 Monaten auf das Intuvia oder Purion schrubben, ist er gerade mal gut eingefahren. Trotzdem wage ich dieses Experiment: Einen Umbau auf den derzeit aktuellen Bosch CX-Motor. In diesem Blogpost erfährst Du, wie ein Umbau funktioniert.

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Als ich Ende 2013 mein Haibike bekam, war es das erste Fully auf dem Markt, das mit dem „neuen“ eiförmigen Bosch-Motor und mit sagenhaften 60 Newtonmetern top ausgestattet war. Zwei Jahre später, als der CX als Nachfolger ‚rauskam oder Brose und Yamaha mit eigenen Motoren die Szene aufmischten, war schnell klar, dass ich mit dem „alten Bock“ bei der ENDURO ONE nicht viel reißen könnte. Die 2016er-Saison lief noch rund, aber in 2017 war nur ein Rennen nötig, um das Einsehen zu haben: Mit dem Performance Line kannst Du nur noch hinterher fahren. Klar, dass es auch auf die Kraft in den eigenen Beinen ankommt, aber die neue Generation der E-MTBs zeigte damals schon, wohin der Trend geht: Zu immer mehr Newtonmetern. Mit über 2 Minuten Rückstand im Prolog kannst Du es eben vergessen, das Endergebnis noch zu verbessern. Der Spaß am E-MTB-Rennen fahren war schnell verflogen. Also bin ich mit meinem treuen Gefährt lieber ohne Konkurrenzdruck und auf eigene Faust auf Tour gegangen.

Als dann irgendwann mal das Kugellager – wegen dem damals fehlenden Motorschutzring – zu kreischen anfing, war der Wunsch schnell da, den Performance Motor gegen einen CX zu tauschen. Der Wunsch blieb aber Traum, denn kein Händler konnte oder wollte mir diesen Wunsch erfüllen und auf dem freien Markt gab es keine Motoren zu kaufen. Also wurde der Performance zerlegt, neu gelagert und mit nachgebessertem Motorschutzring ging die Fahrt weiter. Bis heute…

Vor ein paar Wochen hat jemand bei Facebook in einer E-Bike-Gruppe einen Umbau eines Damenrads auf einen CX-Motor vorgestellt. Schnell kam von einem User die Frage auf „Wo man denn einen Motor kaufen könne“. Ich antwortete spontan darauf: „gar nicht“. Kurz darauf erhielt ich eine persönliche Nachricht vom oben genannten Umbauer, ob ich Interesse an einem werksneuen Bosch CX-Motor mit kleinen Schönheitsmacken hätte? Zum Vorzugspreis für Gruppenmitglieder von 380 Euro. Als Anbieter stellte sich Karl von Schlierseer Bikeparts heraus. Er vertreibt Bikeparts über E-Bay und unter anderem auch nagelneue CX-Motoren für knapp 500 Euro. Zuerst war ich skeptisch, aber nach ein wenig hin- und herschreiben machte ich Nägel mit Köpfen und orderte einen Motor für 27,5 Zoll-Räder bei ihm.

Der Kauf war schnell abgewickelt und das Paket war auch genauso schnell bei mir. Inkl. Rechnung und 6 Monate Garantie hatte ich sogar die Versandbestätigung schneller als meine Zahlungsbestätigung von Paypal. Es lief also alles Bestens. Klar, es hätte auch anders laufen können. Aber irgendwie hatte ich ein gutes Gefühl und wurde nicht enttäuscht.

Ich hinterfragte bei Karl, woher die Motoren stammen. Er erklärte mir, dass er diese – als einziger – von CUBE bekomme. Diese würden bei der Produktion als Ausschuss anfallen, weil die Schrauben-Gegenlager beim Einbau vermackt werden oder sonstige Kratzer im Gehäuse sind. Und das würde bei der Endkontrolle nicht durchgehen. Also nur Optik und keine mechanischen oder elektronischen Probleme.

Ich hatte mit meinem Motor wirklich Glück. Die Schrauben-Gegenlager waren bei diesem nicht vermackt. Lediglich ein wenig Farbe hat in diesem Bereich gefehlt und die Anti-Knarz-Aufkleber waren etwas abgeschrammt. Aber die würde ich eh noch austauschen, wie sich später bei der Montage herausstellte.

Endlich konnte ich mir den Traum erfüllen und mein Haibike mit einem aktuellen CX-Motor nachrüsten. Dieser war neben dem Rahmen und dem Akku eines der letzten Bauteile, die am Rad noch original waren. Über die Jahre habe ich einiges getauscht und getestet. Nicht weil es unbedingt notwendig war. Nein – es war die Lust, das Rad auf meine Bedürfnisse anzupassen und neue Bikeparts zu testen.

Folgendes Werkzeuge werden benötigt

Das für den Umbau benötigst Du folgendes Werkzeug:

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Der Umbau ging schnell von der Hand und dauerte insgesamt keine zwei Stunden. Zuerst wurden die Kurbelarme demontiert, das Gehäuse geöffnet und das alte Intuvia – das irgendwann mal dem Purion weichen musste – angesteckt, um die Software-Versionen, Radumfang usw. abzurufen und zu dokumentieren. Dies ist mit dem Purion nicht möglich.

Im zweiten Step habe ich dann die Motorhalteschrauben gelöst und stellte dabei fest, dass die Motor-Montageplatte an der mittleren Schraube gebrochen war und nicht mehr verwendet werden konnte. Ersatz fand ich aber schnell bei Elektrofahrrad24.de. Es gibt eine neuere und kürzere Version als die bei meinem Motor verbaute; diese kostete rund 15,00 € zzgl. Versandkosten. OK, den Warenkorb gefüllt und auf Bestellen geklickt. Im „Bosch Service-Set Montageplatte – Active & Performance / CX“ sind auch neue Anti-Knarz-Aufkleber und eine Distanzhülse für das Motorcover enthalten. Als ich auf das Paket gewartet habe, habe ich nach Bildern für die Motoraufhängung im Internet gesucht und weitere Varianten gefunden. Ich war mir dann wieder unsicher, ob meine bestellte Version tatsächlich an meinen alten Motor bzw. ans Rad passt. Eine Mail an Elektrofahrrad24.de und eine prompte Antwort widerlegten aber meine Zweifel.

Zwei Tage später war das Paket bei mir und es konnte weiter gehen. Da ich die Handgriffe für den Motor-Aus- und -Einbau von meiner Lagerreparatur schon kannte, war der Tausch des Motors kein Hexenwerk. Schnell war das Rad mit dem neuen Motor bestückt und mit der neuen Montageplatte verschraubt. Bevor ich das Motor-Cover montierte habe ich erneut das Intuvia-Display angesteckt und das erste mal den neuen Motor gestartet. Es kam prompt die Fehlermeldung 580 „Software-Versionsfehler“. Klar, mein Intuvia- und Batterie-Softwarestand passte keineswegs zum neueren Softwarestand der Driveunit des CX. Also musste ich noch zum Händler um die Ecke, der mir das Rad auf die neusten Softwarestände brachte. Es hat zwar ein paar Tage gedauert weil „zu viel zu tun, wegen Frühlingsanfang“, aber dafür hat er nur schlanke 20,00 € für das Update verlangt. Alles Bestens.

Nachdem das Bike wieder in der heimischen Werkstatt war, konnte der finale Zusammenbau und die erste Probefahrt auf der Straße vollzogen werden. Auch diese lief prächtig. Ich haderte jedoch ein wenig mit der Schiebehilfe und dachte schon, dass diese beim Updaten irgendwie verloren ging. Aber auch hier fand ich die Erklärung im Netz. Erst die „Walk“-Taste drücken, um die Schiebehilfe zu aktivieren und dann wird diese mit der +-Taste tatsächlich gestartet. Man lernt eben nie aus.

Jetzt freue ich mich auf die erste längere Tour mit dem alten-neuen Hai und bin gespannt auf die neue Power…