Piers Spencer-Phillips von DERESTRICTED.com, sein Freund Benjamin Turck und der Pro-Fahrer vom CUBE Action Team André Wagenknecht haben mit ihren eBikes am Specialized-SRAM Enduro Rennen in Leogang teilgenommen. Piers berichtet hier von seinen Erlebnissen des Renn-Wochenendes auf dem eBike.

Text: Piers Spencer-Phillips / DERESTRICTED.com mit Fotos von Benjamin Turck
Ins Deutsche übersetzt von Oliver Pfeiffer

Streng genommen, habe ich bereits ein eBike-Rennen in diesem Jahr gefahren. Genauer gesagt habe ich bei dem eBike-Rennen anlässlich der Sea Otter Classic in Monterey/Kalifornien teilgenommen. Aber es war ein sehr entspanntes Rennen. Es war ein großer Spaß, aber es war nicht wirklich ernst. Ich hoffe, dass die Organisatoren das Rennen wieder ausrichten werden.

Es gab dort z.B. auch verkleidete Fahrer. Es fuhren mehrere Bananen, eine Karotte und ein Yeti im Rennen mit. Es gab viel Gejubel am Streckenrand der ganz leichten Cross-Country-Strecke. Das Rennen der Sea Otter war eher wie ein Kindersportfest. Mein 6-jähriger hätte die Strecke locker auf einem Hardtail mit Rücktrittbremsen fahren können. Ich möchte die Strecke in Kalifornien nicht schlecht reden und nur aufzeigen, dass es im Vergleich eine einfache Strecke war.

Das Rennen, das wir im September gefahren sind war, um es gelinde auszudrücken, intensiv. Es war die Major League. Wer hier als Banane verkleidet angetreten wäre, wäre wahrscheinlich abgestürzt und gestorben. Die eMTB Rennen in Leogang gingen über den gleichen Strecken-Verlauf, wie sie die Specialized-SRAM Enduro-Rennfahrer fahren. Es war nur Expertenlevel.

Es waren im Wesentlichen 5 Trails in Leogang, wo auch das Weltcup-Downhill-Event ausgetragen wird. Nur das die meisten Abschnitte der Enduro Strecke deutlich weniger breit waren, rauer, schmaler und verwinkelter als die Worldcup-Strecke. Es war seit 30 Jahren, seit dem ich Mountainbike fahre, eines der härtesten Rennen gewesen, das ich je gefahren bin, und das mit einem eBike.

Es hat vor und während der Veranstaltung viel geregnet, so dass die steilen Pfade super schlammig waren und es gab überall rutschige Wurzeln. Die längste der fünf Stages fuhren wir in einer 12-Minuten-Fahrt von 2.096 Meter über Null nach unten – non-stop. Ein großer Teil des Weges war ziemlich unfahrbar gewesen. Der Schlüssel war, so weit nach vorne zu schauen wie ich konnte und zu versuchen einen Punkt zu finden der einem ein wenig Traktion bot, um die wilde Fahrt über Wurzeln und Steine abzubremsen.

Ich denke ich bin zum Rennen einigermaßen fit angetreten – zumindest fühlte ich mich so. Aber am Ende des Abschnitts waren meine Beine ein Krampf, meine Arme waren leer gepumpt und meine Hände fühlten sich an, als hätte man eine Klammer drum gelegt. Wie werde ich mich nach 2 Tagen, 104km und 7000+ Höhenmetern fühlen, frage ich mich. Ich halte mich für einen guten Fahrer, aber ich war wirklich an meiner Grenze, diese Strecke zu fahren. Ich hatte über 5 Stürze in den 2 Tagen.

Das Haibike AllMtn PRO, das ich im Moment habe, ist ein absolut hervorragendes Fahrrad und bis zu diesem Wochenende hat es alles mit perfekter Gelassenheit mitgemacht, was ich von ihm verlangt habe. Aber in Leogang fühlte es sich an, als würde ich mit einem Messer in einem Pistolen-Kampf antreten. Man muss ihm aber zugestehen, dass es nur ein All-Mountain ist und ein Haibike Nduro oder Dwnhill wäre in diesem Fall die bessere Wahl gewesen. Ein paar Grad weniger im Lenkwinkel machen einen großen Unterschied im Renntempo. Das ideale Rad würde ein flacheren Lenkwinkel haben und einen längeren Travel in der Dämpfung.

Ich war wirklich am Kämpfen, auf dem Haibike AllMtn nicht über den Lenker zu gehen bei steilen 68 Grad Lenkwinkel und mit nur 150 mm im Travel. Ich fühlte mich auf dieser Strecke wie auf einem Hardtail. Es hätte auch nichts verbessert, wenn ich auf der ersten Stage nicht vergessen hätte, den Dämpfer zu öffnen. Aber das ist eine andere Geschichte. Wie auch immer, es fährt sich immer noch großartig auf einigen der weniger steilen Abschnitte und es ist immer noch eines der vielseitigsten Bikes, das ich je gefahren habe. Es ist einfach nicht die ideale Wahl für die steilen Berge von Leogang. Mein Kumpel Benny, der mit mir das Rennen fuhr, war von seinem Haibike 180mm NDURO total begeistert.

Dies war ein Test-Rennen für eBikes, um zu sehen, ob es in Zukunft weitere UCI Enduro Rennen für eBikes geben könnte. Das Problem war, dass nichts Besonderes für eBikes organisiert war. Wir wurden einfach in das bestehende traditionelle Enduro Rennformat gesteckt. Es gab keinen Vorteil, auf einem eBike unterwegs zu sein, außer der Tatsache, dass wir die ganze Transferstrecke gefahren sind, was das Rennen zu einem angenehmeren Gesamterlebnis gemacht hat. Aber die Abschnitte, auf denen wir radelten und andere gingen, wurden nicht gewertet.

Da wir mit unseren eBikes an den regulären Rennfahrern vorbei radelten, als diese an den supersteilen Abschnitten hochschieben mussten, wo selbst die Profis keine Chance hatten zu fahren, erhielten wir die üblichen „Cheater“-Kommentare. Aber darüber konnte ich nur lachen weil wir den ganzen Kurs gefahren sind während sie lässig geschoben haben. Außerdem war es ohnehin eine verdammt harte Arbeitn die steilen Hügel hinauf zu treten. Meine Lunge und die Beine explodierten und ich schnaufte wie eine Dampflok, während die Profis ihre Räder schoben. Es war unmöglich ohne Motor zu fahren. Aber auch mit Motor waren wir über die Grenzen der Traktion, was wir mit der Tretunterstützung fahren konnten. Es war wohl ermüdender, so steile Pfade auf einem eBike hoch zu radeln, als langsam ein 12kg Fahrrad den Berg hoch zu schieben. Vielleicht waren diejenigen, die zu Fuß unterwegs waren, diejenigen die betrogen haben. Ha!

Die Fotos wurden von Benjamin Turck während der einfachen ungetimten  Transfers gemacht wo – ironischerweise –  die eBikes wirklich glänzten.

Auf einem eBike konnten Dinge gefahren werden wo man mit einem normalen Mountainbike keine Chance gehabt hätte. Es gab einige nette technische bergauf Waldabschnitte, die als eBike-Stages perfekt gewesen wären. Auf den gewerteten Downhill-Abschnitten hatten wir keine wirklichen Vorteile mit unseren 22 kg Rädern. Ich persönlich mag aber die Stabilität, die die eBikes bieten, wenn es bergab geht. Wenn ich mit dem 200 mm Xduro Downhiller gefahren wäre, hätte ich die Zeiten, die ich mit dem AllMtn gefahren bin, bestimmt unterboten. Ich habe auf das Haibike AllMtn gesetzt, aber ein traditionelles Mountainbike wäre auch in Ordnung gewesen. Vielleicht sogar weniger ermüdend.

Wir fuhren am Samstag die volle 50 km Strecke, um unsere Batterien zu testen und die Strecke zu prüfen und hatten am Ende noch zwei Balken auf dem Intuvia übrig. Aber am Morgen des Rennens, wir waren gerade am Aufbrechen, teilte uns der Veranstalter mit, dass wir bis zur Mittelstation selbst fahren müssten. Im Laufe des Tages fuhren wir im Sport- und Tour-Modus und zeitweise hatte ich entweder das Gerät ausgeschaltet oder fuhr im Eco-Modus.  Aber zwei Stages vor dem Ziel war meine Akkukapazität aufgebraucht. Ich musste die letzten Kilometer komplett ohne Unterstützung fahren oder schieben. Auf einem 22 kg eBike einen steilen Aufstieg mit dem Motor zu treten, wenn dieser ausgeschaltet ist, macht keinen Spaß. Die beiden letzten Stages hatten ein paar Abschnitte, in denen ein wenig Unterstützung gut getan hätte. Mein Freund Benjamin hatte noch ein wenig Saft in der Batterie und der einzige Profi im Rennen und spätere Sieger André Wagenknecht hatte noch drei Balken über! Entweder war ich nicht gut darin, meinen Akku gut zu nutzen oder mein Akku ist nicht mehr der Beste. Solides Batterie-Management ist auch eine Fähigkeit, aber in dieser Hinsicht versagte ich.

Wir waren überrascht, am Morgen mussten wir die 1000 Höhenmeter bis zur Mittelstation hoch pedalieren, während die Pro´s den Lift nahmen. Foto © bensenpictures.com

Man kann mich ruhig ein „Cheater“ nennen. Aber ein Bike bergauf zu schieben wäre dümmer als mit einem eBike hoch zu fahren.

Also, was sind meine Schlussfolgerungen aus der Veranstaltung? Beginnen wir mit der Tatsache, dass nur drei eBiker im Rennen waren. Ja, drei Leute haben unterschrieben. Ich, mein Kumpel Benny und Cube Pro André Wagenknecht … Warum? Nun, vielleicht wurde für das Rennen keine Werbung gemacht, so dass viele eBiker gar nichts davon mitbekommen haben. Aber ich denke es gibt noch andere Gründe: eBiking ist eine neue Sportart, wo es noch nicht allzu viele Fahrer gibt, die entsprechende Skills und Fitness mitbringen. Durchschnittliche eBike-Fahrer sind noch nicht auf dem gleichen Niveau wie herkömmliche Mountainbiker, oder sie sind vielleicht noch nicht bereit, sich mit anderen Fahrern auf schwierigen Strecken zu messen. Die Mehrheit derer, die jung und fit sind und bereits Rennen fahren, sind nicht daran interessiert oder sie haben es noch nicht für sich entdeckt, wie viel Spaß eBikes machen. Und es gibt noch die anderen, die Race geprägten, die ihre eigenen eBikes aus Frust über die Unterstützungsbegrenzung von 25 km/h chippen und dadurch womöglich bei Rennen disqualifiziert werden könnten und sich deshalb nicht anmelden.

Weder vor noch nach dem Rennen wurden die eBikes auf mögliches Tuning inspiziert oder getestet. Es hätte aber auch gar keinen Unterschied gemacht, ein getuntes eBike zu fahren. Die Wege waren so steil, dass eher abgebremst wurde anstelle noch stärker in die Pedale zu treten. Ein getuntes Fahrrad würde keinen Vorteil auf den Zeitsegmenten haben, und die meisten der Anstiege waren zu steil, dass auch hier kein Tuning nutzt. Ein Tuning brächte nur auf flachen Strecken einen Vorteil, wenn man oberhalb der 25 km/h pedalieren würde.

War es von Vorteil mit einem eBike an einem solchen Rennen teilzunehmen? Ich würde sagen ja, weil wir die ganze Strecke gefahren sind, wo die anderen schieben mussten. So fuhren wir mehr, was immer ein Bonus ist. Ich würde lieber jeden Tag in der Woche mit dem eBike einen Berg hochfahren, als ein traditionelles Bike den Berg hoch schieben zu müssen.

Während der zeitlich gewerteten Segmente jedoch war es nicht von Vorteil, mit einem eBike gefahren zu sein. Ich hätte eventuell einen kleinen Vorteil gehabt, wenn ich mit einem 200 mm Haibike Xduro Dwnhll gestartet wäre im Vergleich zu den 160 mm bzw. 180mm Enduros die am Start waren. Aber nicht mit dem 150mm AllMtn Modell, mit dem ich gestartet bin.

Am Ende des Wochenendes war ich absolut begeistert von der Veranstaltung. Das eBike-Rennen wäre allerdings mit einem klein wenig Tuning besser gewesen. Eine Verschiebung der Stages um Streckenteile im Timing zu erfassen, die die Kletterfähigkeit der eBikes berücksichtigt hätten, hätte deutlich gezeigt, welche Vorteile eBikes zu herkömmlichen Mountainbikes bei technischen Bergauf-Passagen hätten. Auch würden dann die Rennen für eBiker interessanter werden, wenn die Fähigkeiten berücksichtigt würden.

Das eMTB-Rennen anlässlich der Sea Otter Classic 2016 war einfach, brachte aber jedem der 100 Starter eine Menge Spaß. Das Rennen in Leogang war zwar seriöser, zeigte jedoch nicht wirklich die Vorteile für eBikes auf.

Eins ist sicher: Ich werde auf jeden Fall weiter eMTB-Rennen fahren. Ich glaube auch, dass noch niemand irgendwo ein passendes Rennformat für eBikes gefunden hat. Aber bis wir dahin kommen, werde ich normale Rennen fahren. Wenn Du ein eBike hast, hoffe ich, Dich demnächst auf einem Rennen begrüßen zu dürfen. Wenn Du noch keins hast, worauf wartest Du noch? Traditionelle Fahrräder machen Spaß, aber nicht die ganze Zeit wie eBikes.

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