Über den Orbiter II von O’Neal findet man nicht viele Informationen in den Weiten des World Wide Web. Meist englischsprachige MTB-Magazine wussten bisher über den Orbiter zu berichten. Aus diesem Grund haben wir uns den in Deutschland unterrepräsentierten Helm mal vorgenommen und einem Praxis-Test unterzogen.

Der O’Neal Orbiter II kommt futuristisch daher. Mal von der zweifarbigen Farbgebung abgesehen sieht der Helm aus, als käme er aus der Requisitenkammer von George Lukas. Die Form bleibt aber dem Orbiter nicht alleine vorbehalten. Der 2015er „Magni“ aus dem Hause Raleigh hat denselben Polystyrolkörper wie der Orbiter. Der etwas teurere Orbiter hat aber eine wertigere Verarbeitung und eine schickere glänzendere Außenhülle. Auch spiegelt das Verschlusssystem von Fidlock dies gekonnt wider. Der Orbiter ist je nach Anbieter im Internet zwischen 60€ und 80€ zu haben.

Der mit rund 320g leichte Orbiter möchte sich in der AllMountain- und Enduro-Klasse einordnen lassen. Was ihm durch die weit nach unten gezogene Nackenpartie auch gut gelingt und damit einen besseren Schutz für den Hinterkopf bietet. Der geschickt konstruierte EPS-Liner – das von O’Neal „Cone-Head“-Technology getauft wurde – nimmt die Aufprallenergie im Falle eines Crashs gut auf und erfüllt die Standards der Norm EN 1078 für Fahrradhelme.

Mit 20 Öffnungen ist der Helm gut und ausreichend belüftet. Die vorderen Lüftungsöffnungen sind mit einem Fliegengitter verschlossen, was das Eindringen der lästigen Plagegeister verhindert. Jedoch bleibt dort aber auch der ein oder andere fliegende Geselle hängen und findet den Weg nicht mehr nach draußen. Da die Gitter aber mit den Polstern eingeklettet sind, lassen sich diese schnell entfernen und säubern. Bei schneller Fahrt stören die Windgeräusche ein wenig. Dies war aber nicht so schlimm, dass wir den Helm nicht empfehlen könnten.

Den Orbiter gibt es in drei verschiedenen Größen bis ca. 64 cm Kopfumfang bei der größten Größe. Genug, um im Winter auch mal eine Unterziehmütze im Helm zu tragen. Die Passform wird durch ein gut erreichbares Drehrädchen am Hinterkopf erledigt mit dem man das Kopfband weiter oder enger einstellen kann. Dies lässt sich auch gut mit Handschuhen bewerkstelligen – bietet dadurch aber auch einen erheblichen Nachteil. Uns ist bei unserem Testhelm aufgefallen, dass sich das mit einer Gummierung versehene Einstellrädchen selbstständig öffnet, wenn man eine Jacke mit einem etwas dickeren und höheren Kragen beim Radfahren trägt. In der jetzigen winterlichen Jahreszeit also keine optimale Kombination. Das Kopfband kann leider nicht in der Höhe im Helm justiert werden. Nur am Hinterkopf ist es möglich, das Kopfband an einem einrastenden Steg zu verkleinern. Jedoch sind die zwei kleinen Stifte und die passenden Löcher so hakelig und filigran, dass man das den Teilen nicht zu oft zutrauen sollte. Wenn aber mal die Einstellung gefunden wurde, funktioniert das System gut.

Gut gefallen hat uns das patentierte Fidlock-Verschlusssystem des Kinnriemens. Der Kinnriemen wird nicht wie üblich mit einer Steckschnalle verschlossen, sondern mit einem Magnetsystem, das man auch einhändig bedienen kann. Legt man die beiden Verschlussseiten zusammen klicken Sie hörbar ineinander und verschließen den Riemen sicher und ohne Beanstandungen. Das Öffnen mit nur einer Hand ist ebenso problemlos möglich. Ein tolles Detail, das manch anderem Helm auch gut tun würde.

Etwas störend empfanden wir auch die Befestigung der Polster mittels eingeklebter Klettpunkte. Diese wurden nicht sorgfältig in die dafür vorgesehenen Vertiefungen geklebt und standen deshalb im Helm ein wenig vor. Dies wurde mit einem Pieksen der Klettstellen auf der Kopfhaut quittiert. Mit etwas Vorsicht und Geschick ließen sich die Klettklebepunkte an unserem Testhelm aber noch umpositionieren und das Pieksen vermeiden. Nur die zwei kleinen Klettstreifen, die links und rechts am verstellbaren Kopfband aufgeklebt waren, um das nach hinten laufende Polster zu halten, machten schnell schlapp und zogen es vor, an der Winterunterziehmütze hängen zu bleiben. Leider streifte man die Polster bei jedem Aufsetzen von den Klettpunkten ab. Wirklich von Nutzen sind die Polster an dieser Position nicht. Aber sie haben auch nicht gefehlt. Zumindest nicht bei der Kopfform unseres Testers.

Das Visier lässt sich in der Höhe ein wenig verstellen. Jedoch ist es neben den beiden eingerasteten Anschlägen rechts und links nur mit zwei Klettpunkten fixiert. Der Orbiter hat leider auch keine Vorrichtung, um eine Actioncam wie eine GoPro oder eine Helmlampe zu befestigen. Da der Helm an der dafür passenden Stelle leider einen Knick in der Oberfläche hat, lässt sich auch eine Klebebefestigung nicht wie üblich aufkleben. Hier hilft dann eher eine mit Bändern befestigte Halterung, die ein wenig mit Moosgummi unterfüttert wurde.

Fazit: Der Orbiter II von O’Neal passt gut und die Unzulänglichkeiten, die wir festgestellt haben, lassen sich alle verschmerzen, wenn man sich daran gewöhnt hat – wie z.B. die unzureichende Klettmontage. Das einzige wirklich Manko ist die Helmjustage mittels Einstellrädchen. Das wollte mit der Winterjacke nicht harmonieren. Das war ein Grund, warum wir den Helm wieder umgetauscht haben, weil wir dachten, dass ein Defekt im Rädchen das Problem ist. Jedoch war auch der Ersatzhelm nicht von diesem Makel befreit. Laut O’Neal wurde über diesen Mangel noch nie berichtet und alle O’Neal-Helme hätten dasselbe System. Naja, wir schieben es mal auf einen doch zu dicken Hals und einen zu voluminösen Winterkragen und werden den Orbiter als Sommerhelm deklarieren und im nächsten Herbst mit einer Langzeiterfahrung berichten. Klar kommt es auf die persönliche Kopfform an und auch darauf, ob einem das Design des Helmes zusagt. Aber alles in allem ist er einen Versuch wert und wir geben dem Helm 7 von 10 Punkten.

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Oliver Pfeiffer

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